Die EXPO 2000 hat nun ihre Pforten geschlossen. Ich hatte das Glück,
zweieinhalb Tage EXPO pur genießen zu können, und kann nur sagen:
Jeder, der sie nicht gesehen hat, hat etwas verpasst!
Für alle die, die nicht dabei sein konnten und für die, die
sich nochmal erinnern möchten, habe ich meinen ersten EXPO-Bericht
etwas überarbeitet und mit Bildern ergänzt:
Inhalt:
Über die EXPO wurden in den Medien viele negative Meldungen verbreitet, von denen aber nur manche und nur zu einem bestimmten Zeitpunkt richtig waren. Wirklich anzutreffende Missstände wurden aber meist schnell abgeschafft. jedoch gab es in den Medien keine "Entwarnungen", keine Richtigstellung. Nicht nur die Mähr der 9 DM teuren Rostwurst geisterte bis zuletzt durch die Welt, sondern z.B. auch:
Sinn und Zweck der EXPO und eines Besuches derselben
Was ist die Expo und warum sollte man dorthin fahren?
Auf der Expo präsentieren sich viele Länder und auch große Firmen dieser Welt auf unterschiedliche Weise. Das geschieht dabei so bunt und vielfältig, dass diesem Thema ein eigenes Kapitel (Erlebnisbereicht) gewidmet ist.
Somit vereint die Expo jeweils ein Stück Freizeitpark, Basar, Technologie-Show,
Reisebüro, Museum, Urlaub, Restaurant und lädt zum Erleben, informieren
und entspannen ein.
Der Charakter der Expo ist in meinen Augen so vielfältig, dass
er schwer zu beschreiben ist. Aber gerade wegen dieser Vielfältigkeit
kann sie eigentlich jedem etwas bieten.
Und das ist der nächste Punkt:
Um wirklich alles genau studieren zu können, muss man wohl
eine Woche Zeit mitbringen. Allerdings findet nicht jeder alles interessant,
und durch manche Pavillons läuft man deshalb in einer Minute durch,
während man in anderen eine Stunde oder länger verweilt. Der
Durchschnittsmensch dürfte an maximal 2 Tagen alles gesehen haben,
was ihn interessiert, wenn er sich nicht mit Überflüssigkeiten
aufhält. Wer natürlich so dämlich ist, sich für über
eine Stunde in eine Warteschlange zu stellen, sollte sich schon verdammt
sicher sein, dass er sich für das Thema dieses Pavillons interessiert
und es sich lohnt, denn in dieser Zeit kann man viele andere Dinge sehen
und tun. Und wer noch viel dämlicher ist, seine Zeit auf der Expo
mit Internet-surfereien zu vergeuden, dem ist echt nicht mehr zu helfen...
Es ist übrigens kein Beinbruch, wenn man den ein oder anderen Pavillon links liegen lässt. Wem die Araber mit ihrer Kulter und Henna-Bemalungen am Hintern vorbeigehen, dürfte es nicht schwerfallen, ohne Trauergefühle einen Bogen um den Pavillon der vereinigten arabischen Emirate zu machen. Wirklich weltneue Sensationen verpasst man eigentlich nirgendwo. 360-Grad-Kinos gibt es mittlerweile in jedem Freizeitpark, dafür muss man nicht unbedingt auf die Expo fahren.
Fazit:
Die Expo ist eine Art kleiner Erlebnis- oder Kultur-Urlaub, eine kleine
Bildungsreise für Traditions- aber auch für Fortschritts-Interessierte.
Jeder, der nicht hinfahren will, sollte sich darüber im Klaren sein,
dass ein solches Ereignis vor der eigenen Haustür genau wie die Sonnenfinsternis
so schnell nicht mehr wiederkehrt.
Für Fahrt (2 * 550 km in einem Peugeot 106, ca. 5 Liter auf 100
km Autobahn), Eintrittskarten (pro Person ein Ganztags- und ein Abendticket)
und Unterbringung (2 Übernachtungen im Doppelzimmer; das Hotel ca.
2 km vom Expo-Gelände entfernt mit idealer Busanbindung, Bushaltestelle
ca. 400 m entfernt) haben wir (2 Personen) insgesamt ca. 400 DM bezahlt,
pro
Person also 200 DM.
Das ist zwar deutlich mehr als Null DM, aber in meinen Augen weit weg
vom totalen finanziellen Ruin. Der Preis liegt - verglichen mit anderen
Wochenendreisen nach London oder Paris, die einen vergleichbaren Komfort
bieten - noch nichteinmal im oberen Bereich der Preisskala.
Die Unkosten haben sich dabei wie folgt aufgeteilt:
Die ETAP-Hotels sind zwar einfach, aber auf jeden Fall sauber und
in Ordnung. In unserem Fall waren wir nur zum Schlafen im Hotelzimmer (weil
am Tag unterwegs), und dann hat man in der Regel die Augen zu und es ist
egal, dass der Fernseher kein 16:9-Format hat. Wer nähere Informationen
will, der sehe bitte auf der Internetseite von ACCOR um. Das ist eine Hotelvereinigung,
der die ETAP-, Ibis-, Formel 1-, Novotel-, Mercure- und Pannonia-Hotels
angehören, und über die man sich Hotelführer und weitere
Informationen ordern kann.
Da die meisten Länder fern ab von Deutschland liegen, als Personal
aber Landsmänner (und -frauen) mitgebracht haben, muss man sich darauf
einstellen, dass manche schlecht oder gar kein Deutsch sprechen. Englisch
ist hier die Sprache der Wahl, wenn man über simple "Wieviel kostet
das ?"-Unterhaltungen hinaus gehen möchte. Die Menschen sind übrigens
sehr offen und geben gerne Informationen über ihr Land. Wer sich für
ein spezielles Land interessiert - ob als Urlaubsziel oder Arbeitsplatz
- der kann hier Informationen aus erster Hand bekommen. Desweiteren bieten
die meisten Länder Terminals, mit denen man sich über die Länder
und die Länder betreffenden Dinge informieren kann.
Im Nachfolgenden nun mein Kommentar zu ein paar positiv oder negativ herausragenden Ausstellungen, was sich gelohnt hat und was nicht. Wo man isst und trinkt, und wo man es besser bleiben lässt...
Zuerst zum Essen&Trinken. Hier muss ich ganz klar sagen:
Pizza, Bockwurst & Co kann man auch zu Hause essen, dafür musste
man nicht zur Expo fahren. Man bekam beim Vietnamesen eine gute Portion
"Nudeln mit Hühnchen" für 8 DM. Vom indischen Buffet konnte man
für 22,50 DM ein sehr gutes Mittagessen bekommen (Zum Vergleich: In
London habe ich beim Inder für ein Abendessen über 40,-- DM bezahlt.).
Ein All-you-can-eat beim am italienischen Buffet (sehr gute Qualität
mit großer Auswahl!) kostete zwischen 16 und 22 DM. Wem das dennoch
zu teuer war, konnte sich ein paar Brote mitnehmen, die ja schließlich
nicht die Welt wiegen.
Wer bei den Getränken auf den Pfennig schauen musste, konnte an
den überall herumstehenden Automaten 0,5 L - Flaschen Cola, Limo,
Sprudel & Co für nur 4,-- DM erwerben. Dieser Preis liegt ganz
klar im Rahmen oder sogar unter den gängigen Preisen, die man in Kneipen
und Restaurants bezahlt.
Es lohnte sich auch auf jeden Fall, bei den kleineren Ländern
vorbeizuschauen und nicht beim erstbesten Stand zu kaufen (Die Preise für
0,3 L Cola variierten zwischen 3 DM und 5 DM.). Viele Länder boten
Spezialitäten, die man sonst nicht ohne Weiteres bekommt. Das Angebot
reichte von kleinen Kostproben (Pralinen, Sprituosen u.a. für 0,50
DM bis 1,-- DM) bis zu exotischen Mittagessen.
Als Souvenirs bot die Expo für jeden etwas. Insbesondere aber für Briefmarken-Sammler, die z.B. vier buthanische Blöcke für 8,-- DM erstehen konnten.
Über das ganze Gelände verstreut befanden sich Spielplatz-Attraktionen für die Kleinen, wahlweise auch mit Betreuung.
Im EuropaHaus wurden unter dem Dach der KFW kleinere und mittlere Unternehmen Europas und deren (z.t. Meister-)Leistungen präsentiert. Man erfuhr von Unternehmen, die Schiffe in der Mitte durchsägen, um hinterher ein viele Meter langes Stück dazwischenzukleben; die sich die touristische, aber natur- und kulturschonende "Erschließung" der Maya- und Inka-Kultur zum Ziel setzen; die sich mit regenerativen Energien (auch für den Privatmann) befassen, es geht um Neuheiten zum Eigenheim, zur Medizin u.s.w. Und man konnte sich auf Knopfdruck weitergehende Informationen zum Thema zukommen lassen (per Post oder eMail). Allerdings habe ich bis heute noch keine der angeforderten Informationen erhalten, und das sind immerhin schon über 3 Monate her.
Venezuela hatte einen optisch schönen Pavillon, der für
Aquarienfreunde auch innen einiges bieten konnte (Baby-Rochen z.B.)
Der Pavillon von Island war außen und innen sehr schlicht
gehalten - ein blauer Würfel, an dessen Außenseite Wasser herunterfließt.
Im Innern fand man einen nach oben geschraubten, freihängenden (und
deswegen leicht schwankenden) Rundgang, in dessen Mitte auf dem Boden ein
großer "Bildschirm" aus Wasser war, der Impressionen von Island zeigte
und sich alle paar Minuten für einen Augenblick in einen Geysir verwandelte.
Keine Action, aber sehr stimmungsvoll. Eine Touristen-Info-CD war für
5 DM zu haben (Im Reisebüro gibt's diese Infos umsonst), die Multimedia-CD
über Island war mit 35 DM aber leider unverschämt teuer.
Am beeindruckendsten war der Pavillon von Nepal. Was dieses kleine Land geleistet hat, ist einfach Wahnsinn: Über einen Zeitraum von 3,5 Jahren hinweg waren über 800 Familien damit beschäftigt, den kompletten Pavillon von Hand aus 480 Tonnen Holz herzustellen - handgeschnitzt, handgeschraubt und atemberaubend anzusehen (leider ohne Bild)! Hier konnte man sich eine Tikal machen (das ist der rote Punkt auf der Stirn, übrigens ein Zeichen der Begrüßung, wie ich erfahren habe).
Singapur bot zwei kleine, einfache Kinos, die Filme zur Entstehung
und das Singapur von Heute bieten. Die Filme dienten ganz klar der Werbung
für diese kleine Insel, und Singapur macht auch gar keinen Hehl daraus.
Singapur ist eine kleine Insel und hat keine Bodenschätze. Das Kapital
dieses Landes ist zum Teil im Tourismus, und zu einem großen Teil
in der Industrie zu sehen. Und folgerichtig wirbt Singapur auch um Studenten
und Arbeitskräfte: "Studieren und Arbeiten" ist der Titel eines dort
erhältlichen Prospekts.
Durch die BILD-Zeitung bekannt und angeblich vom Aus bedroht (Hat sich aber nichtsdestotrotz bis zum Ende gehalten): Der Zeri-Pavillon. Mal ganz davon abgesehen, dass anscheinend kein Mensch weiß, was Zeri überhaupt ist, war dieser Pavillon ein Meisterstück dafür, wie man einen Pavillon möglichst ungeschickt, uninteressant und unauffällig gestalten kann. Er bot leider nichts, was mir irgendwie aufgefallen wäre. Die Möglichkeit, in einem großen Baumhaus einmal rundzugehen (dafür musste man dann noch die Schuhe ausziehen!), ist nun mal nicht der Renner. Und da hinter Zeri keine finanzstarke Organisation und schon gar kein Land und keine Firma steckt, versuchen die, ihr Expo-Engagement über den Verkauf irgendwelcher Bücher zu finanzieren. Wie ich später einem Fernsehbericht entnehmen konnte, gab es hier unter anderem auch aufziehbare Radios und aufziehbare Taschenlampen zu kaufen.
Auch Sri Lanka war alles andere als gut. Der hier vorzufindende Basar war zwar hübsch anzusehen, wenn man aber bedenkt, was dieses Land anhand seiner Kultur, seiner Flora und Fauna, seiner Eigenschaft als Ferienziel alles hätte zeigen können... Der Pavillon enttäuscht nicht wegen der schlechten Gestaltung, sondern weil er die Erwartungen nicht erfüllt, weil er hätte viel besser sein können und müssen.
Sehr schön: Der Pavillon vom Bhutan. Actionmäßig
kein Reißer, aber sehr stimmungsvoll. Man konnte sehr schöne
Briefmarken erstehen, z.T. mit Hologrammen (der Bhutan ist also alles andere
als hinterwäldlerisch). Wer sich für den Buddhismus interessiert,
konnte das Gespräch mit den dort anzutreffenden Mönchen suchen
(die übrigens sehr gut Deutsch sprachen).
Afrika präsentierte sich in seinem Sammelsurium aus vielen kleinen Staaten und hinterlies ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits war es schön zu sehen, wie selbst die ärmsten Länder den Stolz, den Willen und die Kraft aufbrachten, sich hier sehr ansehnlich zu präsentieren, es zeigte ein Stück Kampfbereitschaft. Auf der anderen Seite merkte man, dass diese Länder gerne viel mehr zeigen würden, es aber nicht können, weil manches Land leider nur aus Wüste mit ein paar Oasen besteht und im Hinblick auf Kultur und Technik beim besten Willen nicht viel bieten kann. Das einzige, das viele dieser Menschen haben, sind ihre Hände, und demzufolge fand man viele Stände mit Handarbeiten und typisch Afrikanischem. Sehr zu empfehlen waren die handbemalten Kerzen, die nicht nur sehr schön anzusehen sind. Sie sind mit 6 - 7 DM auch für jeden erschwinglich und mit dem Geld unterstützt man eine kleine afrikanische Firma, die auch die schulische Bildung ihrer (meist weiblichen) Mitarbeiter bezahlt und fördert.
Der Stand von Luxemburg war sehr unscheinbar. Luxemburg stellte sich als Land der Telekommunikation dar und bot neben vielen PC's zum kostenlosen Surfen im Internet (unverständlicherweise voll besetzt, als gäbe es keine Internet-Kaffees und man müsste dafür extra zur Expo) ein kleines sehr schönes 3D-Simulations-Kino (Die Sitze sind beweglich). Sehr gut war die Organisation: Auf der Kinokarte war vermerkt, für welche Vorstellung sie gilt und um wieviel Uhr diese stattfindet. So ersparte man sich lästiges Schlangestehen und konnte sich derweil die anderen Pavillons der Halle ansehen...
... zum Beispiel den Stand von Liechtenstein. Hier gab es zwar keine großen Attraktionen, aber man hatte die Gelegenheit, sich selbst oder Bekannten für 2,-- DM eine Postkarte aus Liechtenstein mit schönen Hundertwasser-Briefmarken drauf zuzuschicken. Briefmarkenfans bekamen den kompletten Hundertwassersatz (3 Marken) auf Anfrage auch postfrisch für 5,-- DM.
Der Stand von Weißrussland (irgendwo im Gewühl von Halle 14, 15 oder 16 zu finden) bot sehr schöne Schatullen zum Kauf - ist mir aufgefallen, da ich in Begleitung einer Schachtel-Begeisterten war ;-).
Der Planet of Visions und die Ausstellung Das 21. Jahrhundert war ein größerer Programmpunkt. Man benötigte ein bis zwei Stunden und etwas geistige Anstrengung, um (im doppelten Sinne) durchzusteigen. Wer bereit war, die stimmungsvoll sehr schönen, detaillierten Bauten auf sich einwirken zu lassen, wer Gefallen an (interessanten, folgerichtigen und zum Teil kuriosen) Spekulationen über unsere Zukunft hatte, war gut beraten, sich nicht von der manchmal langen Schlange abschrecken zu lassen und einen Besuch zu wagen. Für Leute, die wenig Nerven für kritische Betrachtungsweisen und Selberdenken haben, weil sie vom Naturell her oder weil der Tag ansich schon sehr anstrengend war eher auf Berieselung aus sind, war dieser Pavillon jedoch verschwendete Zeit, weil sie außer ein paar hübscher Bilder wohl nichts mitnehmen konnten. Im Pavillon wurden übrigens keine Action und keine Weltraum-Science-Fiction geboten, sondern ein Gemisch aus sozialer Historie und Gesellschafts-Science-Fiction.
Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten keinen Pavillon aufgestellt,
sondern gleich ein Stück Land mitgebracht. Vom Boden, der die Umgebung
mit dem typischen Duft - eine Mischung aus Sand, Meer und Kamel - beglückte,
bis zur Palme und grandiosen Gebäuden konnte der Pavillon fast als
Feriendomizil durchgehen, wenn nicht der zeitweise sehr starke Andrang
gewesen wäre. Das 360-Grad-Panorama-Kino war sehenswert, wenn auch
die Qualität des verwendeten Filmmaterials den Anforderungen nicht
ganz gerecht wurde: Der Film zeigte schon leichte Abnutzungserscheinungen
aufgrund des täglichen mehrmaligen Abspielens.
Italien hatte außer einer kleinen Ausstellung über Leonardo da Vinci leider nicht viel zu bieten. Von außen betrachtet macht der Pavillon allerdings einiges her (Foto folgt bei Gelegenheit).
Sehr arm auch die Pavillons von Frankreich und Großbritanien: Von Ländern dieses Formates hätte ich wesentlich mehr erwartet. Am schlimmsten der Pavillon von Spanien: Anscheinend haben die Spanier gar nichts - wirklich gar nichts! Der Pavillon war riesig, innen drin aber bis auf Restaurant&Fressstände vollkommen leer und ideenlos.
Griechenland zeigte einen optisch und inhaltlich sehr schönen
Pavillon (Im Foyé war ein Amphitheater im Kleinen nachgebildet,
das sich in den Spiegeln der Decke wiederfand), wenn man sich für
die technische Entwicklung von den alten Griechen bis hin zum Heute interessiert,
die dort unter anderem an Terminals mittels Multimedia-Programmen zu erleben
ist. Gibt es leider nicht als CD zum mitnehmen, Interessierte konnten aber
auf der CD zum Pavillon (6 DM) oder direkt beim technischen Museum fündig
werden.
China attackierte die Lachmuskeln mit seiner Art, sich selbst und seine Raumfahrt in die höchste aller Höhen zu erheben - typisches Perfekte-Welt-Gehabe einer Diktatur eben.
Der Pavillon der Schweiz wirkte auf den ersten Blick überflüssig, ideenlos und arm, überraschte mich als Fan des Ungewöhnlichen aber innen drin durch eine sehr eigenwillige Darstellung. Die Schweiz ist kein Zuwanderungsland, kein Urlaubsziel, unabhängig von allen und jedem, neutral bis zum geht-nicht-mehr, und in den Augen der Schweizer sowieso das einzig wirklich existente Land dieser Welt (alle anderen Länder liegen in Bielefeld, das bekanntlich nicht existiert). Demzufolge hatten die Schweizer es nicht nötig, sich selbst oder irgendwas anderes darzustellen. Stattdessen boten sie einen völlig abstrakten Pavillon, lediglich aus ein paar übereinanderliegenden Brettern bestehend wie ein Bretterstapel, und nach allen Seiten hin offen. Wenn man drin war und durch die schluchtenartigen Gänge ging, wurde man von umherstreifenden Musikern überrascht, die eine durch die Schluchten irrende musikalische Collage produzierten, die (wenn man sich für die entsprechende Musik interessierte) ein eigenes, sehr schönes Erlebnis ansich war. Ein Pavillon zum Verweilen und Wirkenlassen.
Der Brüller der Expo war zweifelsfrei Schweden, das sich als Tochterfirma von IKEA präsentierte und einige Designstudien zeigte, außerdem mit einem Modell bekanntschaft machte, das ich mal "Kinder lassen ihren Gedanken freien Lauf und die Industrie versucht, daraus etwas Brauchbares zu machen" nennen möchte. Auf dem Vorplatz konnten wir ein sehr exclusives (wir waren nur etwa 10 Leute, da es regnete und mehr nicht unter die Schirme passten. Dafür hatten wir aber alle dank der Öfen angenehm warm) Jazz-Konzert einer Band einer schwedischen Musik(hoch?)schule genießen (Es waren fast mehr Musiker auf der Bühne als davor). Es war Klasse!
Die Niederlande zeigten einen äußerlich spektakulären Pavillon. Da ich aber bezweifle, dass der Inhalt eine ganze Stunde Schlangestehen rechtfertigte, habe ich ihn (ohne Bedauern) links liegen lassen. Wer sich für Holland interessiert - ist ja nicht weit weg.
Das Duale System zeigte in der Cycle Bowl die Simulation eines
Tornados - wurde mir zumindest gesagt. Ich war nicht dort, weil ich die
dreiviertel Stunde Anstehen besser zu nutzen wusste, zum Beispiel um im
"Vorgarten" des Pavillons witzige Bilder zu machen:
Der Pavillon des Bundeslandes ähm... man schlage mich für
meine Unkenntnis... wo liegt Hannover... in Niedersachsen? Keine Ahnung.
Auf jeden Fall der Pavillon des Bundeslandes, in dem das Hannover liegt,
in dem die EXPO 2000 statt fand, glänzte architektonisch mit dem größten
freitragenden Holzdach der Welt:
Die Themenparks waren größtenteils nicht nur sehr
schön gestaltet, sondern auch unterhaltsam, informativ und denkensanregend.
Der Themenpark Energie ließ sich jedoch stellenweise nur sehr lahm
an (z.B. am Anfang eine große runde Wand, auf der Filme abliefen).
Nach einer Simulation zum Thema "Wir spielen jetzt mal Bohrkopf und drehen
uns nach unten" und einem Gang durch einen nachgebauten Bergwerksstollen
konnte man sich über aktuelle Dinge, wie Brennstoffzellen und Kernfusion
informieren. Die (stellenweise falschen!) Informationen waren aber leider
auf unterstem Niveau, und Leute mit tiefergehenden Kenntnissen und Interessen
waren wohl sehr enttäuscht. Novizen litten wohl aufgrund des Mangels
an anschaulichen Modellen. Schade, aus diesem Thema hätte man viel
mehr machen müssen, zumal es ein Kernthema dieser EXPO war. Die Recherchen
hätten müssen besser sein. Wenn die Temperatur der Sonnenoberfläche
mit 6.000.000 K anstelle mit 6.000 K angegeben wird, dann zieht das doch
schon gewisse Zweifel an der Qualität nach sich...
Genial dagegen die Cartoons zum Thema Energie&Co. Nur schade, dass
ich das Buch mit den gesammelten Cartoons (erschienen beim Goethe-Institut)
nicht auftreiben konnte.
Der Themenpark Ernährung wurde von mir nach einem kurzen Blick
sofort ad acta gelegt, weil er mich überhaupt nicht ansprach.
Alle anderen Themen (z.B. Basic Needs) beschäftigten mich eine
geraume Zeit lang und waren auch sehr gut aufgearbeitet.
Witzig die Idee mit den autonomen Robotern, die durch eine Halle fuhren.
Wir haben versucht, so ein Teil zum Ausgang zu bewegen, weil so ein Ding
als Hündchen zu Hause bestimmt eine urige Idee wäre (gut, vielleicht
ein bisschen groß für's Wohnzimmer), aber er war stur und ließ
sich nicht drauf ein. ;-)
Das Lab.01 von Mercedes war genial. Die technischen Spielereien, die präsentiert und erklärt wurden, waren nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr lehrreich. So z.B. die aufgestellten Parabolspiegel, die den Schall so bündelten, dass man am einen Ende der Halle etwas flüstern konnte, was am anderen Ende (einige Meter entfernt) trotz des Umgebungslärms und der durcheinanderwuselnden Menschen laut, klar und deutlich zu verstehen war. Einer der ersten Synthesizer (eine geniale Idee: Mit Hilfe eines Magnetfeldes nimmt das Gerät die Bewegungen des Spielers war und setzt sie in Töne um. Übrigens eine russische Erfindung des letzten Jahrhunderts, wie ich dem Buch Soundscapes entnehmen konnte. Gab's mal für 2,-- DM bei Metzen) war ebenso zu bewundern, wie moderne Verfahren der Tonerzeugung und -verfremdung (z.B: das Chaos-Pad von KORG und Vocoder). An einem sprachgesteuerten Spiel konnte man gegen andere antreten und musste versuchen, eine bestimmte Anzahl von Bällen in den heimatlichen Hafen zu transferieren, wobei man von Spinnen gefressen werden konnte und einem ab und an der Ball von einem Mitspieler abgenommen wurde.
Der letzte Pavillon, den ich erwähnen möchte, ist Dänemark. Die Dänen zeigen in dem von außen an die Form der guten alten Holzbauklötze erinnernden Pavillon in den ersten Räumen Interessantes zu Umweltthemen (z.B. Gewinnung von Strom aus Windenergie). Am Ende fand man - wie sollte es anders sein - Legosteine zum Anschauen und kaufen (z.B. einen von der mechanik her überraschend simplen 'Roboter', der auf einer Computertastatur immer wieder das Wort 'EXPO' tippte).
Die anderen Pavillons habe ich entweder nicht besucht (mangels Interesse, mangels Zeit) oder sie sind irgendwie in der Masse der Erinnerungen untergegangen.
Die Shuttle-Busse stellten schnelle kostenlose Verbindungen zwischen
Knotenpunkten der EXPO dar. Zumindest den EXPO-Plan für 5 DM
hatte man sich zulegen sollen, weil man sich sonst auf dem Gelände
verlief. Am Eingang fand man Kisten mit der kostenlosen EXPO-Tageszeitung,
in der das Programm des Tages zu finden ist - sollte man unbedingt reinschauen.
Ein Wochenendtrip, teurer als ein Kinobesuch, füßebelastender
als ein Tag Volkswanderung, und am Ende ist man körperlich und geistig
irgendwie K.O.. Aber es war alle Mühen und Kosten mehr als Wert. Für
mich ein Erlebnis, das ich auf keinen Fall missen möchte!